210 Meter lang und bis zu 140 km/h schnell: Der Arbeitsplatz von Jana Sokolowski ist alles andere als gewöhnlich. Mit der S-Bahn fährt sie bei jeder Fahrt bis zu 1.500 Fahrgäste zur Arbeit, nach Hause oder zu Freunden.

Freitagvormittag, 9:32 Uhr auf Gleis 103. Treffpunkt mit Jana Sokolowski, einer von mehr als 400 Lokführerinnen und Lokführern bei der S-Bahn Rhein-Main.

Während für die meisten Fahrgäste, fast alles Pendler um diese Uhrzeit, der Arbeitstag gerade erst beginnt, ist Sokolowski schon fast auf dem Weg in den Feierabend. Seit 3:45 Uhr ist sie heute unterwegs, jetzt heißt es nur noch einmal “Einsteigen bitte.” Jana Sokolowski macht eine „Gastfahrt“ mit der S9 nach Wiesbaden – so heißt das, wenn die Lokführerin nicht selbst fährt. Dort wird die gebürtige Berlinerin den letzten von insgesamt drei Zugteilen abkoppeln und anschließend leer zurück nach Frankfurt fahren.

210 Meter lang: Der kurze Dienstweg

Seit 1992 ist Jana Sokolowski bei der Bahn – und kennt durch zahlreiche Stationen fast den gesamten Fuhrpark von innen und außen. Ausbildung zur E-Lok-Schlosserin, Wartung der ICE-Waschanlage in München, Schlosserin in der S-Bahn-Werkstatt Frankfurt, dazwischen auch mal verantwortlich für die Umrüstung von Reisezugwagen in Basel. Jana Sokolowski ist Bahnerin durch und durch. 2007 ist sie auf den Führerstand der S-Bahn Rhein-Main gewechselt – und findet, dass der Job prima zu ihr passt. „Um fahren zu können, muss man Spaß dran haben. Und ich fahr wahnsinnig gern!“ Wichtig ist auch der Teamgedanke: Obwohl sie ihre Kollegen oft nur bei den kurzen Übergaben sieht oder beim flüchtigen Gruß mit der entgegenkommenden S-Bahn – immer wieder kommt es vor, dass Hilfe bei einem Problem nötig ist. Und dann ist es gut, wenn ein anderer dank Handy in Hörweite ist und einen schnellen Tipp parat hat – der kurze Dienstweg eben.

Kein Tag ist wie der andere

Ihre Aufgabe besteht aber nicht nur darin, die S-Bahn sicher von A nach B zu fahren. Wenn Jana Sokolowski im Führerstand sitzt, ist sie als Zugführerin gleichzeitig für die bis zu 1.500 Fahrgäste und den maximal 210 Meter langen Zug verantwortlich: Funktionieren alle Türen? Ist die S-Bahn unterwegs beschädigt worden? Benötigt jemand Hilfe beim Einsteigen? Müssen die Fahrgäste mit wichtigen Informationen versorgt werden? Alles läuft bei ihr zusammen – und gerade das macht den Reiz ihres Jobs aus: Kein Tag ist wie ein anderer, irgendwas ist immer. Auch wenn die neun S-Bahn-Strecken dieselben bleiben. Besonders intensiv ist die Arbeit natürlich dann, wenn es mal nicht planmäßig läuft – zum Beispiel weil der S-Bahn-Tunnel gesperrt ist.

Am liebsten ist die 43-Jährige übrigens auf der S4 zwischen Kronberg und Langen unterwegs – die Abwechslung auf dieser Linie findet sie spannend, weil es schnell hin und her geht und nicht ganz so weit raus bis nach Bad Soden oder Darmstadt. Und einen Lieblingsort im S-Bahn-Netz kann Jana Sokolowski, die grundsätzlich in der Frühschicht fährt, ebenfalls empfehlen: „Wenn man frühmorgens bei Sonnenaufgang mit der S5 von Bad Homburg Richtung Frankfurt unterwegs ist, hat man hinter Weißkirchen/Steinbach einen sehr schönen Blick auf die Autobahn und die Frankfurter Skyline dahinter. Kann ich nur empfehlen.“

Rückfahrt nach Frankfurt, ohne Fahrgäste und ohne Zwischenhalt geht es mit dem leeren Zug von Wiesbaden über Frankfurt-Höchst zum Außenbahnhof. Dort heißt es: Abstellen und Feierabend. Fast – da klingelt doch noch einmal das Handy: In der Werkstatt ist ein Platz für den eben abgestellten Zug frei geworden …

Modernste S-Bahnflotte Deutschlands

Seit dem Fahrplanwechsel 2014/15 fährt im Rhein-Main-Gebiet die modernste S-Bahnflotte Deutschlands. RMV und DB haben gemeinsam insgesamt 500 Millionen Euro in die neue S-Bahnflotte investiert. Die neuen Fahrzeuge haben mit Klimaanlage, große Displays im Fahrzeug, viel Platz für Fahrräder, Rollstühle und Gepäck eine komfortable Ausstattung, beschleunigen schneller auf bis zu 140 kn/h und verbrauchen bis zu 40 Prozent weniger Energie gegenüber zuvor eingesetzten Fahrzeugentypen.