Kaffee und Süßigkeiten sind nicht die einzige angenehme Überraschung während der Tunnelsperrung: Als kleines Dankeschön haben wir auch Künstler in die S-Bahnen geschickt, die unsere Fahrgäste zeichnen und die Bilder verschenken.

Filippo Spadaro ist konzentriert bei der Sache. Seine Hände flitzen über das Papier. Immer wieder schaut er kurz auf, schmunzelt und zeichnet weiter. Nach wenigen Minuten ist sein Werk vollendet. Edgar, der in der S2 Richtung Höchst sitzt, blickt auf das Ergebnis. Er und seine Frau müssen herzlich lachen. „Geil. Vielen Dank!“, freuen sie sich.

Schon als Kind viel gezeichnet

Filippo ist Karikaturist, Schnellzeichner und gemeinsam mit einem Kollegen im Auftrag von RMV und DB einen ganzen Tag lang in den Zügen der S-Bahn Rhein-Main unterwegs. Eine kleine Aufmerksamkeit, um den Fahrgästen für ihre Geduld in den Zeiten der Tunnelsperrung zu danken. Seine Arbeit macht Filippo sichtlich Spaß. „Es ist einfach schön, mit Menschen zu arbeiten. Jeder ist anders. Ich habe mit jeder Karikatur immer wieder etwas Neues, dass ich ausprobieren kann“, sagt der 51-Jährige, der schon seit 25 Jahren professionell zeichnet. „Obwohl ich damit eigentlich schon in der Schule angefangen habe. Ich habe schon als Kind viel gezeichnet.“

Auf seinen Einsatz in der S-Bahn reagieren die meisten erstmal ziemlich überrascht. „Was? Mich zeichnen? Wieso?“ Aber wenn dann Filippos Hände wieder über das Papier fliegen und aus Strichen, Punkten und Linien plötzlich ein Gesicht entsteht, ist alle Skepsis schnell verflogen. Die Leute lachen. Auch Habre, 23, freut sich über das Geschenk. „Passt schon“, sagt der junge Mann als er auf die Zeichnung mit der übergroßen Nase blickt, die Filippo angefertigt hat. „Das bin ich! Vielen Dank!“, ruft er, bevor er in Griesheim schnell aus der Bahn springen muss.

Übergroße Nasen, riesiger Mund

„Mir reicht ein Blick auf die Person und dann weiß ich, welches Charakteristikum den Menschen ausmacht. Ich gehe vom Porträt aus und nehme mir dann das eine typische Merkmal raus, das ich in den Proportionen verändere.  Das kann zum Beispiel eben die Nase sein, der Mund oder auch die Ohren.“

Der große Moment, in dem Filippo sein Bild umdreht, sorgt in der Regel für Heiterkeit. „Saucool. Das wird in jedem Fall aufgehängt“, meint der junge Mann mit der Lederjacke, der auf dem Weg von der Schule nach Hause ist. „Krass, dass das so schnell das geht“, wundern sich Lina und Louiza. Die beiden Cousinen aus Wiesbaden sind auf dem Weg zum Shoppen nach Frankfurt und freuen sich über ein gemeinsames Bild.

Die Bahn ruckelt, „Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Exit on the right“. Filippo bleibt davon unbeeindruckt. Konzentriert zeichnet er weiter, hebt den Kopf, fixiert sein Gegenüber und die Hände flitzen wieder über das Papier. Seine Arbeit macht ihm sichtlich Spaß. Und auch die Fahrgäste freuen sich. „Ich bin noch nie gezeichnet worden. Premiere!“, sagt eine Dame mit rotem Haar vergnügt. Filippo lacht und schon ist der nächste Fahrgast dran: „Darf ich Sie auch zeichnen?“

 

Sie wollen noch mehr Fotos und Zeichnungen sehen? Dann schauen Sie in unsere Galerie: